
Nach dem positiven Grundsatzentscheid zum Tiefengeothermieprojekt im Januar dieses Jahres, vorbehältlich der Einigung über zusätzliche Sicherheitsauflagen, haben der Kanton Jura, Geo-Energie Suisse und Geo-Energie Jura nun eine umfangreiche Vereinbarung unterzeichnet. Die Parteien konnten sich in allen Punkten, die vom Kanton Jura eingebracht wurden, einigen, wobei insbesondere den Bedenken der lokalen Bevölkerung sowie der ansässigen Unternehmen Rechnung getragen wurde. Das wegweisende Geothermieprojekt in Haute-Sorne kann gestartet werden.
An der heutigen Medienkonferenz haben Vertreter der jurassischen Regierung die zentralen Eckpunkte der Vereinbarung vorgestellt. Dr. Peter Meier, CEO der Geo-Energie Suisse AG, zeigt sich sehr erfreut, «dass gute Lösungen erarbeitet werden konnten, die den zusätzlichen Sicherheitsanforderungen des Kantons Jura gerecht werden».
«Im Pilotprojekt in Haute-Sorne soll mit Hilfe von stimulierten geothermischen Systemen, erneuerbare und CO2 neutrale Erdwärme zur Produktion von Strom- und Wärme genutzt werden», erläutert Dr. Peter Meier das langfristige Ziel und ergänzt: «Für die Bevölkerung in der Region Haute-Sorne und auch für die Zukunft dieser Technologie an anderen Orten in der Schweiz, ist es entscheidend, die Sicherheit ins Zentrum zu stellen.» Die Vereinbarung regelt die zusätzlichen Sicherheitsauflagen der Kantonsregierung sowie die Begleitung des Projekts durch eine unabhängige Expertengruppe. Die geophysikalische Messkampagne, die während der Explorationsbohrung ergänzend zum Einsatz kommen wird, bietet in dieser Phase ein zusätzliches Sicherheitsnetz. «Die Erkundungsbohrung erlaubt, die Beschaffenheit des Untergrundes bis in die Endtiefe von 4 bis 5 Kilometern präzise auszuloten. Damit bringt sie, unabhängig vom weiteren Projektverlauf und den geothermischen Aspekten, viele wertvolle erdwissenschaftliche Erkenntnisse zum Jurabogen zwischen Genf und Basel», erklärt Dr. Peter Meier. Das Hauptziel der Erkundungsbohrung und der Stimulationstests ist jedoch, das seismische Risiko von Stimulationsmassnahmen und die Erfolgschancen des Projekts sorgfältig zu evaluieren. So werden die Entscheide über eine allfällige zweite Bohrung, eine Stimulation des Untergrundes zur Bildung eines unterirdischen Reservoirs und den abschliessenden Bau des Kraftwerks jeweils erst nach der sorgfältigen Analyse der Messdaten gefällt. Die jüngsten Erfahrungen von Geo-Energie Suisse aus den erfolgreichen Tests des Multi-Etappen-Stimulationskonzepts im Felslabor der ETH Zürich in Bedretto (TI) werden ebenfalls ins Haute-Sorne Projekt einfliessen. Ebenso die Erkenntnisse, die im Projekt FORGE in Utah des US Department of Energy, gewonnen werden.
Mit der Vereinbarung leisten die beteiligten Parteien einen zentralen Beitrag an ein umfangreiches, regionales Investitionsprojekt, stärken die Innovationskraft der Schweiz und setzen sich aktiv für die Umsetzung der Energiestrategie 2050 ein. Darüber hinaus generiert das zukunftsweisende Geothermieprojekt substanzielle lokale und regionale Wertschöpfung sowie nationale und internationale Aufmerksamkeit. Das geothermische Kraftwerk wird mit einer Leistung von bis zu 5 Megawatt, nach seiner erfolgreichen Inbetriebnahme, dereinst sauberen Strom und erneuerbare Wärme für die Region produzieren und so mit konstanter, CO2-freier Bandenergie einen langfristigen Beitrag an die Versorgungssicherheit leisten.
In Zusammenhang mit einem Rekurs gegen das Bauprojekt, der 2018 letztinstanzlich vom Bundesgericht abgewiesen wurde, prägten verschiedene ungenaue Informationen die öffentliche Debatte über das Pilotprojekt. Entsprechend legen die Geo-Energie Suisse AG und die Geo-Energie Jura SA grossen Wert auf eine umfassende, transparente und dialogorientierte Information der Bevölkerung. Die Informations- und Begleitkommission, die vom Kanton voraussichtlich bis im Herbst konstituiert wird und Vertreterinnen und Vertreter des Kantons, der Gemeinde, Bevölkerung, Verbände, der Projektorganisation und des Bundes an einem Tisch versammelt, wird hierzu einen zentralen Beitrag leisten. Im Fokus steht die nachvollziehbare Aufklärung über die verschiedenen Projektetappen, ihre jeweiligen Ziele, die allfälligen Risiken und die getroffenen Sicherheitsvorkehrungen. Ebenfalls bis im Herbst dieses Jahres wird der Bund ein zusätzliches Patronatskomitee mit Vertretern von Bund und Kanton ins Leben rufen. Damit erhält der nationale Charakter des Pilotprojekts noch mehr Gewicht und betont dessen grosse Strahlkraft und Bedeutung für die nachhaltige, klimaneutrale Schweizer Energiezukunft zusätzlich.
Französisch: Olivier Zingg, Projektverantwortlicher Romandie, Tel. +41 79 321 43 20
Deutsch: Peter Meier, CEO Geo-Energie Suisse AG, Tel +41 79 248 48 65
www.geo-energie.ch
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Über das Multi-Etappen-Stimulationskonzept |
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| Das von der Geo-Energie Suisse AG entwickelte Multi-Etappen-Stimulationskonzept kann sowohl für die Erzeugung von Strom, als auch zur Wärmegewinnung für die Energiespeicherung (Geospeicher) genutzt werden. Da die Technologie nicht nur im tiefen Kristallin sondern auch in Sedeimentgesteinen zur Anwendung kommen kann, lässt sie sich fast überall in der Schweiz multiplizieren und zielgerichtet einsetzen. Entsprechend gross ist das Potenzial dieser Technologie, der Geothermie als erneuerbare, CO<sub>2</sub>-freie Bandenergie zum Durchbruch zu verhelfen. Ende 2020 ist es der Geo-Energie Suisse AG gelungen, den technischen Nachweis für das Verfahren zu erbringen. Die erfolgreiche Demonstration erfolgte im Felslabor der ETH Zürich in Bedretto (TI). Als Industriepartnerin wird Geo-Energie Suisse AG die im Bedretto-Labor gewonnenen Erkenntnisse im US-Projekt FORGE (Utah) zusätzlich noch im Hochtemperaturbereich validieren. | ||
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Das Verfahrens-PrinzipMit horizontalen Bohrungen können vertikale Risse im Untergrund gut angebohrt und sequenziell unter Druck gesetzt werden, um deren Durchlässigkeit zu erhöhen. Das Multi-Etappen-Stimulationskonzept der Geo-Energie Suisse AG bezweckt die Optimierung der Reservoireffizienz und damit der Projektwirtschaftlichkeit und minimiert das seismische Risiko. |
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| Über das Geothermieprojekt Haute-Sorne - Zielsetzung und Geschichte |
| Das Geothermieprojekt Haute-Sorne zielt darauf ab, mit Hilfe von stimulierten, geothermischen Systemen Erdwärme zur Strom- und Wärmeproduktion zu nutzen. Hierbei kommt das von Geo-Energie Suisse AG (GES) entwickelte Multi-Etappen-Stimulationskonzept zur Anwendung. Mit einer fein dosierten, seuenziellen Stimulation wird die Durchlässigkeit des Gesteins erhöht und zeitlich als Erschütterungsrisiko minimiert. Mit einer Explorationsbohrung soll in der ersten Phase des Projekts der Untergrund untersucht und so das Nutzungspotenziel abgeklärt werden. Erst nach Auswertung der Testergebnisse wird über die Fortsetzung des Projekts entschieden. www.geo-energie-jura.ch (Französisch). |
| 2012 - 2015 |
| Erste Kontaktaufnahme GES mit Kanton Jura und der Gemeine Haute-Sorne. Aufgrund breit abgestützter Interessensbekundung erstellt GES ein Baugesuch inklusive vertiefter Risikostudie und Umweltverträglichkeitsprüfung. Danach Sicherung des notwendigen Baulands mit einem Kaufvertrag, Gründung einer Begleitgruppe, erste öffentliche Informationsveranstaltungen. |
| 2015 - 2018 |
| Baubewilligung erfolgt 2015. Darauf folgt Gründung der Geo-Energie Jura SA mit Sitz in Haute-Sorne und ein Zusammenarbeitsvertrag zwischen der Geo-Energie Jura SA, dem Kanton Jura und der Gemeinde Haute-Sorne. 2016 wird ein Rekurs gegen das Bauprojekt vom kantonalen Verwaltungsgericht abgewiesen. Ende 2017 informiert GES die Kantonsregierung über ein Schadenbeben in Pohang (Südkorea), das durch Stimulationsmassnahmen für ein Geothermieprojekt ausgelöst wurde. Darauf verlangt die Kantonsregierung einen detaillierten Bericht von GES und ein Gutachten vom Schweizerischen Erdbebendienst (SED). 2018 bewilligt das Bundesgericht das Projekt letztinstanzlich und setzt den Sondernutzungsplan in Kraft. |
| 2019 - 2022 |
| 2019 bestätigt der SED die Qualität des Erbeben-Risikomanagements von GES und empfiehlt die Weiterführung des Projektes mit punktuellen Anpassungen an den neusten Stand der Technik. Im April 2020 kündet der Kanton Jura an, ein Verfahren zu eröffnen, das zu einem Entzug der Baubewilligung führen könnte. Im Juni 2020 erhöht das Bundesamt für Energie (BFE) den Erkundungsbeitrag für das Projekt in Haute-Sorne von 64 auf 90 Millionen Franken (zur Anpassung der Mess- und Steuerungstechnik an den neusten Stand). Im Januar 2022 kommuniziert der Kanton Jura seine grundsätzliche Zustimmung zum Pilotprojekt, im Juni wird die erweiterte Vereinbarung unterzeichnet und der Öffentlichkeit vorgestellt. |