Detaillierte Zusammenfassung des Artikels in Geothermische Energie, Ausgabe Nr. 113 vom 11. Februar 2026, von Dr. Peter Meier, Olivier Zingg, Dr. Katharina Link
Tiefengeothermie gilt ais Schlüssel der Energiewende, doch ihre Umsetzung ist anspruchsvoll und bei hydrothermalen Systemen oft mit hohen Fündigkeitsrisiken verbunden. Das Pilotprojekt Haute Sorne zeigt, wie sich diese Herausforderungen überwinden lassen könnten - mit beeindruckenden Ergebnissen aus Tiefbohrung, hydraulischer Stimulation und modernstem Monitoring.
Da in Mitteleuropa hydrothermale Reservoire für die Stromproduktion selten sind, gewinnen innovative Erschliessungstechnologien wie die Enhanced Geothermal Systems (EGS) an Bedeutung. Ziel von Geo-Energie Suisse (einem Zusammenschluss Schweizer Energieversorger) ist es, die Tiefengeothermie in der Schweiz sicher und marktreif zu machen. Das Projekt Haute-Sorne im Kanton Jura ist das erste seiner Art, das das Konzept der Multi-Stage-Stimulation (Multiriss-Stimulation) in der Schweiz im Feldmassstab erprobt.
Das Projekt setzt neue Standards in Europa durch ein hochauflösendes Überwachungssystem:
Sicherheitsvorkehrungen und ein strenger Auflagenkatalog wurden 2022 mit dem Kanton Jura vereinbart, wobei der Schweizerische Erdbebendienst als unabhängige Fachinstanz fungiert. Um die gesellschaftliche Akzeptanz zu sichern, werden alle Messdaten nahezu in Echtzeit auf der Webseite von Geo-Energie Suisse veröffentlicht.
Die Explorationsphase schliesst mit einem durchweg positiven Ergebnis ab : Der Standort ist stabil, offene Kluftsysteme sind vorhanden und die prognostizierte Temperatur in 5'000 Metern Tiefe liegt bei 168 °C.
Sobald die Behörden grünes Licht geben, soll das Projekt ab 2026 in die Phase 2 (Stimulationsphase) übergehen , bei der ein zweites Tiefbohrloch mit horizontalem Abschnitt gebohrt wird. Basierend auf Kostensenkungen in den USA prognostiziert Geo-Energie Suisse Stromgestehungskosten von unter 15 Rappen/kWh (mit weiterem wirtschaftlichen Potenzial bei einer Kraft-Wärme-Kopplung). Parallel werden bereits neue Standorte für künftige Projekte mit einer elektrischen Leistung von 10–30 MW evaluiert.