Nach einem Artikel in Le Monde von Olivier Laffargue

Der Energieverbrauch Frankreichs hängt stark von importierten Kohlenwasser-stoffen ab, wie die Auswirkungen der Blockade der Strasse von Hormus zeigen. Dabei gibt es im Untergrund Frankreichs eine CO₂-freie und bislang kaum genutzte Energiequelle: die Geothermie.
Dieser am 10. Mai 2026 in Le Monde erschienene Artikel analysiert das Paradoxon einer reichlich vorhandenen und stabilen Energiequelle, die sich in Frankreich trotz der Energiekrise und der Blockade der Strasse von Hormuz nur schwer in grossem Massstab durchsetzen kann.
Die erste Feststellung betrifft die Energieanfälligkeit Frankreichs. Obwohl die Kernenergie bei der Stromerzeugung eine dominierende Rolle spielt, hängt ein grosser Teil des Energieverbrauchs der Haushalte (insbesondere für Heizzwecke) nach wie vor von importiertem Gas und Erdöl ab. Die Geothermie erscheint als einzige Alternative, die in der Lage ist, lokal und CO₂-frei eine konstante Grundwärmeversorgung zu gewährleisten.
Die Grafiken zeigen, dass zwar bestimmte Regionen wie die Île-de-France (Pariser Becken) bereits Tiefengeothermie für die Fernwärme nutzen, weitläufige Gebiete mit hohem Potenzial jedoch noch völlig unerschlossen sind. Der Artikel verweist auf das Fehlen präziser Kartierungen des Untergrunds, was Investitionen in weniger gut dokumentierten Regionen bremst.
Im Gegensatz zu Erdgas, bei dem der Grossteil der Kosten mit dem Verbrauch der Ressource zusammenhängt, erfordert die Geothermie zu Beginn massive Investitionen (Bohrungen und Infrastruktur). Die Vergleichsgrafik zu den Lebenszykluskosten zeigt, dass die Geothermie zwar über einen Zeitraum von 20 Jahren rentabler ist, die hohen Einstiegskosten und das Risiko einer „erfolglosen Bohrung“ (kein Wasser mit der richtigen Temperatur zu finden) jedoch nach wie vor Gemeinden und private Investoren abschrecken.
Die entscheidende Erklärung liegt in den Umsetzungsfristen. Zwischen Machbarkeitsstudien, behördlichen Genehmigungen und der Durchführunhg der Bohrungen kann es mehr als zehn Jahre dauern, bis ein Projekt verwirklicht wird. Zudem mangelt es in Frankreich an qualifizierten Bohrern und verfügbaren Maschinen, was zu einem Engpass führt, der eine schnelle Reaktion auf den Klimanotstand verhindert.
Der Artikel kommt zu dem Schluss, dass die Geothermie ohne eine starke staatliche Garantie gegen das finanzielle Risiko von Bohrungen und eine drastische Vereinfachung der Planungsverfahren (wie im europäischen Aktionsplan von 2026 vorgesehen) eine „Wunderlösung“ bleiben wird, die im Untergrund gefangen bleibt.
Der Originalartikel in Le Monde (auf Französisch, nur für Abonnenten) ist hier zu finden.