Nach einem Artikel von Simon Bradley auf swissinfo.ch (Übersetzung en-de von Michael Heger)

Der Krieg in der Ukraine und die Klimakrise haben Regierungen dazu veranlasst, lokale Energiequellen zu erschliessen. Befürworterinnen und Befürworter der Geothermie sehen diese als Teil der Lösung. Doch etwas fehlt ihnen: eine "Erfolgsgeschichte".
In der Nähe der bekannten Thermalbäder von Lavey-les-Bains (Waadt) findet derzeit eines der ambitioniertesten Energieprojekte der Schweiz statt. Das Unternehmen Alpine Geothermal Power Production (AGEPP) bohrt bis zu 3000 Meter tief, um eine natürliche „geologische Anomalie“ zu nutzen: extrem heisses Wasser, das als saubere Energiequelle dienen soll.
Das Ziel der Bohrungen ist es, Wasser mit einer Temperatur von mindestens 110 Grad Celsius zu gewinnen.
Technik: Nach einer vertikalen Bohrung (1800 m) erfolgt eine Schrägbohrung, um wasserführende Risse im Gestein optimal zu treffen.
Nach den negativen Erfahrungen und Erdbeben bei Projekten in Basel (2006) und St. Gallen (2013) betont Projektleiter Jean-François Pilet die Unterschiede in Lavey:
Es wird kein hydraulisches Fracking angewandt.
Es wird kein Wasser unter hohem Druck injiziert; man nutzt lediglich ein bestehendes natürliches Reservoir.
Die Bohrungen finden nicht in einer bekannten geologischen Verwerfungszone statt.
Der Artikel ordnet das Projekt in den grösseren Kontext der Schweizer Energiepolitik ein:
Potenzial: Bisher wird in der Schweiz kein Strom aus Geothermie gewonnen. Das BFE sieht jedoch ein langfristiges Potenzial von 7 % am nationalen Stromverbrauch bis 2050.
Wärmeversorgung: Der Verband Geothermie Schweiz schätzt, dass die Technologie bis zu ein Viertel des Schweizer Wärmebedarfs decken könnte.
Unabhängigkeit: Angesichts der Klimakrise und geopolitischer Instabilitäten (z. B. Ukraine-Krieg) gilt die Geothermie als Schlüssel, um die Abhängigkeit von fossilen Importen wie russischem Gas zu verringern.
Obwohl die Geothermie den Vorteil hat, grundlastfähig zu sein (sie liefert im Gegensatz zu Sonne und Wind konstant Energie, auch im Winter), ist sie mit hohen Erkundungsrisiken und Investitionskosten verbunden. Experten betonen, dass die Schweiz ihre Industrie in diesem Bereich „praktisch von Grund auf“ neu aufbauen muss.
Fazit: Der Erfolg in Lavey-les-Bains gilt als entscheidende „Erfolgsgeschichte“, die den Weg für zahlreiche weitere Projekte in der ganzen Schweiz ebnen könnte.
Quellenhinweis: Diese Zusammenfassung basiert auf einem Bericht von swissinfo.ch über das Tiefengeothermie-Projekt der AGEPP in Lavey-Morcles.
Der Artikel ist auf swissinfo.ch hier öffentlich zugänglich